Sprache im Wandel: Zerfall oder Gewinn? Tatsache!

Anglizismen, Gendersterne, Jugendsprache – die deutsche Sprache steht vor dem Untergang! Nicht wirklich, oder?

Tatsache ist: Sprache hat sich schon immer verändert. Sie muss. Denn die Welt verändert sich und wir brauchen neue Wörter für Entwicklungen, Gegenstände, Zusammenhänge.

Telegram oder Telegramm? WhatsApp oder Was geht, Alter?

Erinnern Sie sich an Ihr erstes SMS? 160 Zeichen standen zur Verfügung. Brauchte man mehr, musste man ein zweites SMS tippen – und zweimal zahlen. Kein Wunder, wurde abgekürzt, was das Zeug hielt. Schon damals stiegen Kritker*innen auf die Barrikaden.

Ein neues Phänomen war das jedoch nicht, schliesslich musste man sich auch bei einem Telegramm kurzfassen. Aber zugegeben: Diese verfasste man nicht im Minutentakt.

Stopp.

Aber halt, verwechseln Sie das Telegramm, die telegrafisch übermittelte und aus der Mode gekommene Nachricht, bitte nicht mit Telegram, der Nachrichten-Applikation.

Dort tummeln sich Gerüchten zufolge Aluhüte, also Menschen, die zu den Neologismen gehören.

Naja, nicht die Menschen mit den Aluhüten, nur die Aluhüte als Wort gehören zu den Neologismen. Also zu jenen Wörtern, die neu in unserer Sprache auftauchen und in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen. Wie auch der Overtourism, die Kryptowährung, das Adjektiv genderfluid und das Upcycling.

Und gleichzeitig verschwinden auch Wörter aus unserem Wortschatz. Oder wann haben Sie zuletzt Hupfdohle gesagt? Wann vom Backfisch gesprochen? Wissen Sie, was haselieren bedeutet? Eben.

There have we the salad

Der Overtourism und das Upcycling klingen schwer nach Anglizismen, also nach Wörtern, die aus dem Englischen stammen. Oder sind es vielleicht Scheinanglizismen, wie es der Oldtimer ist? Wir verstehen ja darunter ein altes Auto, ein*e Englischsprachige*r nicht. In meinem Blogbeitrag zu sprachlichen Irrtümern hab ich darüber geschrieben.

Auch die Anglizismen haben bei Kritiker*innen keinen leichten Stand. Bemerkenswert, wenn wir doch wissen, dass im Deutschen sowieso viele Wörter aus einer Fremdsprache entlehnt sind – oft aus dem Lateinischen oder Griechischen. Zum Beispiel: Anglizismus.

«Haselieren» übrigens bedeutet «rumtoben» und stammt vermutlich vom französischen Wort «harceler» – stören.

Da sieht man schön, wie sich der Einfluss von fremden Sprachen im Laufe der Jahre verändert hat. Heute ist Englisch Weltsprache und es gilt als cool (!) englische Wörter einfliessen zu lassen. Im 18. Jahrhundert hatte das Französische diese Rolle inne.

Hey gömmer Kebap?

Auch bestimmte soziale Gruppen tragen dazu bei, dass sich die Sprache verändert. Allen voran die Jugendlichen, die sogar jedes Jahr ein eigenes Wort «bekommen» – das Jugendwort des Jahres.

Und weil es ja immer wieder neue Jugendliche gibt, verändern sich auch die Jugendworte dauernd. Dieses Jahr war es «cringe», 2008 «Gammelfleischparty».

Welche Wörter haben Sie als Jugendliche inflationär gebraucht? Bei mir war es «tschäsn».

  • «Tschäsn» – hallo, wie geht’s?
  • «Tschääsn» – das ist krass, beeindruckend, grossartig
  • «Tschäsn» – tschüss, ich geh dann mal.

«… unsere gutte, ehrliche Teüutschen so alber geworden …»

Die Sprache verändert sich also dauernd. Das kann man finden, wie man will – passieren tut es sowieso. Schon vor dreihundert Jahren beschwerten sich Adlige darüber, dass die deutsche Sprache verhunzt werde.

Geändert hat das an der Tatsache nichts.

Auch die Grammatik verändert sich. Sie wissen es sicher: Der Genitiv ist dem Dativ sein Tod. Oder, anhand eines Witzes erklärt:

Alle beschweren sich wegen dem Wetter, ausser Germanistik-Studenten. Die beschweren sich wegen des Wetters.

Ein Hoch auf den Wandel. A high on the change.
Tschäsn miteinander.


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